Dienstag, 11. August 2015

Victoria Hohmann: Überschallflieger

http://ueberschallflieger.vicihohmann.de/

Genre: Roman
veröffentlicht von der Autorin als Self-publisher
Seiten: 324
Erscheinungsdatum: 08. Dezember 2014
ISBN: 9783737522250
Preis: 9,99


Über die Autorin:

Victoria Hohmann wurde in den 80ern geboren und lebt in Berlin. Sie ist Autorin, bildende Künstlerin und Kunsthistorikerin.





Inhalt:
Sich entscheiden ist gar nicht so einfach. Schließlich könnte man etwas verpassen. Einen Fehler begehen. Vom Weg abkommen – weil man gar nicht weiß, wie der eigentlich aussieht oder aussehen soll. Alles im Unklaren zu lassen ist darum wesentlich bequemer. Zumindest für Mag. Die mit ihren runden dreißig Jahren Entscheidungen lieber dem Schicksal überlässt. Das laue Leben wählt, um sich das Herz nicht zu verbrennen. Obwohl sie sich gleichzeitig nichts sehnlicher wünscht, als die große Liebe zu erfahren und ihren Träumen zu folgen. Beides ist möglich, doch die Angst vor Nähe und Enttäuschung zu groß. Schließlich könnte das Glück an den Wänden der Realität zerschellen.
Darum beginnt Mag eine Beziehung mit Paul, dem besten Freund ihrer großen Liebe Niko, anstatt Niko tatsächlich eine Chance zu geben. Darum wählt sie einen Beruf, der ihr nichts bedeutet, anstatt sich mit ihrer Berufung zu beschäftigen. Darum sieht sie handlungsunfähig zu, als sich ihre beste Freundin Bianca vergeblich bis über beide Ohren in ihren Freund Paul verliebt. Und sieht weg, als ihre große Liebe Niko eine Beziehung mit Biancas jüngerer Schwester Lilly eingeht. Darum presst sie sich in eine gesellschaftliche Norm, bis sie sich selbst nicht wiedererkennt. Verbaut sich das Leben, das sie leben könnte. Bis es kein Zurück mehr gibt und das Leben sie an ihrem einunddreißigsten Geburtstag zwingt, hinzusehen.


Meine Meinung:
Es ist eine dieser Nächte in denen man erst aus unerfindlichen Gründen aufwacht und dann nicht wieder einschlafen kann, weil der Partner mal wieder den Urwald absägt. Und weil man davon so genervt ist, fängt man an nachzudenken.
Will ich wirklich so leben?
Was ist aus meinen Träumen geworden?

Das ist „Überschallflieger“, wobei ich mich mit dem Titel nicht so recht anfreunden kann weil mir der Bezug zur Geschichte fehlt.
Ansonsten konnte ich mich als Leser in der Geschichte wiederfinden. Wer kennt das nicht, dass man so eine Phase hat in der man alles ätzend findet und dann versucht herauszufinden, wie man in diese Lage gekommen ist.

Allerdings drängt sich mir nun, nachdem ich es beendet habe die Frage auf: Was will mir dieses Buch eigentlich sagen? Es muss doch wenigstens eine Botschaft enthalten nachdem ich mir über 300 Seiten lang die Geschichte einer Kompromissbeziehung durchlesen musste, die – so scheint es – größtenteils dazu dient, der Protagonistin zu helfen einen anderen – der rein zufällig der beste Freund ihres Partners ist – zu vergessen. Was logischerweise nicht so recht gelingen will.

Die Geschichte führt uns vor Augen wie bescheuert wir uns manchmal benehmen wenn aus einer Liebesgeschichte nichts wird aber die Gefühle nicht verschwinden wollen. Erst lenken wir uns ab, dann binden wir uns an den nächsten halbwegs passablen Typen, der zwar keine Schmetterlinge im Bauch verursacht aber dafür zu uns selbst sagen lässt „siehst du, ich bin doch nicht beziehungsunfähig“.

Wir bekommen auf flapsige Art den Spiegel vorgehalten in dem wir sehen, dass unsere ganze Mühe vergeblich ist und jedes Zusammentreffen mit dem Verflossenen uns Kraft und Selbstbeherrschung kostet damit die aufgebaute Fassade nicht bröckelt. Wir sehen, dass wir zweifelnd und unglücklich an dieser Beziehung festhalten weil wir Angst haben, am Ende allein dazustehen und wirken dabei nach außen zufrieden. Wir schlucken gehässige Bemerkungen gegenüber der Neuen vom Ex herunter obwohl wir ihr am liebsten an die Gurgel gehen würden.

Und am Ende?
Am Ende sind wir genauso schlau wie am Anfang, denn wir erfahren nicht, wie sich die Protagonistin aus diesem Dilemma befreit. Ob sie die Konsequenzen zieht und ihren Freund verlässt ohne zu wissen was dann kommt oder ob ein Halleluja vom Himmel fällt und sie ab sofort mit ihrer Situation glücklich wird. Das Ende bleibt offen. Vermutlich weil sich gar nichts ändert. Und wenn das der Schluss ist, denn ich aus einer Geschichte ziehe, finde ich das ziemlich deprimierend.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen. Tempo und Erzählweise machen die Protagonistin lebendig und zeigen viel von ihrer Persönlichkeit.

     

Sonntag, 2. August 2015

Regine Kölpin - Straßenschatten

http://www.kbv-verlag.de/detail.html?id=304&bid=90&bs=autorendetail
Genre: Thriller
Verlag: kbv Verlag
Seiten: 248
Erscheinungsdatum:
ISBN: 9783954412365
Preis: 9,95 €

über die Autorin:

Regine Kölpin wurde 1964 in Oberhausen geboren und lebt heute mit ihrer Familie in Friesland. Sie leitet Schreibwerkstätten, inszeniert historische Stadtführungen mit Lesungen an Originalschauplätzen und hat schon diverse Romane veröffentlicht.


Inhalt (von der Verlagsseite):


Ein belegtes Brot für die Obdachlose Frieda, das gehört für die Oldenburger Studentin Paula zum täglichen Ritual. Doch eines Tages liegen nur noch ein verlassener Wollmantel und eine schäbige Isomatte an der Haltestelle Marschweg. Ein unbestimmtes Gefühl sagt Paula, dass Frieda nicht freiwillig verschwunden ist. Kurz darauf wird ganz in der Nähe ein anderer Obdachloser brutal zusammengeschlagen. Etwas geschieht auf den Straßen der Stadt. Jemand hat die Gestrauchelten ins Visier genommen, die dort ihr Schattendasein fristen.

Als Paula sich auf die Suche nach Frieda macht, bekommt sie plötzlich Drohbriefe. Jemand beschattet sie. Paula fühlt sich verfolgt. Nach einem weiteren Anschlag auf die Obdachlosen werden der Polizei Beweisstücke zugeschoben, die ausgerechnet auf Paula als Täterin hindeuten.

Wer will ihr da etwas anhängen? Hat die undurchsichtige Clique ihres Freundes Piet etwas damit zu tun? Warum verhält sich ihre Mitbewohnerin mit einem Mal so eigenartig? Paula weiß nicht mehr, wem sie vertrauen kann, sie spürt nur, dass sich die Schlinge um sie herum immer mehr zuzieht …


Meine Meinung:
 

Eine Obdachlose die plötzlich verschwunden ist, eine merkwürdige Mitbewohnerin, ein Freund der lügt und eine beste Freundin, die sich für den Mittelpunkt des Universums hält – ganz schön viele Baustellen. Warum beschäftigt sich Paula plötzlich mit so vielen Dingen, die sie doch bis dahin weit von sich gehalten hat um sich auf ihr Studium zu konzentrieren? Eine Frage auf die ich bis zum Schluss keine zufriedenstellende Antwort bekommen habe.

Die Geschichte wird in der Ich-Form erzählt, so dass man einen Blick in die Gedanken und Gefühle der Protagonistin und zum Teil auch von Frieda bekommt. Allerdings muss ich sagen, dass ich zu keinem Zeitpunkt das Gefühl der Bedrohung so deutlich spüren konnte, wie ich das bei einem Thriller erwarte. Die Geschichte war zwar spannend und hinter allem was passierte war irgendwann ein Sinn zu erkennen, auch aus der Hand legen wollte ich sie nur ungern, aber das gewisse Etwas hat mir leider gefehlt. An manchen Stellen konnte ich das Verhalten der Personen nicht nachvollziehen, was ich schade fand.

Positiv fand ich die Schilderung, wie Friedas Leben und das der anderen auf der Straße abläuft, es wurde sehr neutral dargestellt, keine Schönfärberei aber auch keine Verurteilung dieser Art zu leben. Auch der Schreibstil war flüssig und gut lesbar.

Insgesamt fand ich die Geschichte zwar unterhaltsam aber leider ohne Gänsehaut.

      


Sonntag, 12. Juli 2015

Wörterkatzes Lesemarathon - letzter Tag

Wie auch die letzten Tage bin ich recht früh aufgestanden und habe mich mit  einem Buch aufs Sofa gelegt.

9:12
Ich habe inzwischen Nanuk-Im Zeichen des Bären beendet. Glücklicherweise war es nur 140 Seiten lang und ich verstehe inzwischen, warum es in 11 Jahren nur einmal ausgeliehen wurde.

Da meine Stimmung gerade nicht für ein weiteres Buch von meiner Leseliste geeignet war, habe ich wieder zu etwas anderem gegriffen. Ein Buch das ich vor kurzem bei lovelybooks gewonnen habe.

http://www.elektrischer-verlag.de/taschenbuecher.html?wrsProduct=schattney-georg-argentinisches-roulette
Inhalt (von der Verlagsseite / klick aufs Cover führt zum Verlag)

Herbst 2001. Unmittelbar nach den Attentaten des 11. September wird die US-Börsen­aufsicht auf verdächtige Finanzgeschäfte aufmerksam. Hat jemand sein Vorwissen um die Anschläge zu Geld gemacht? Oder soll sogar das gesamte Weltfinanzsystem destabilisiert werden? Im Auftrag des Internationalen Währungsfonds soll Wolfgang Willarth und sein Team, vier gerissene Börsenprofis, diese Fragen aufklären. Die Musik Jim Morrisons wird dabei zu ihrem ständigen Begleiter. Denn der Doors-Sänger scheint in einer düsteren Prophezeiung alles vorausgeahnt zu haben.
Willarths Jagd führt ihn rund um den Globus – von der hektischen Welt des schnellen Geldes ins stille Schatten­reich der mächtigen Finanzinstitutionen, von der Kälte des Paralleluniversums der Kapital­märkte in die Hitze des Widerstands auf der Straße. Sie endet schließlich in Buenos Aires, als Argentinien eine Finanzkrise dramatischer Ausmaße durchlebt. Durch eine Mordserie spitzt sich die Situation weiter zu. Doch je näher Willarth der Wahrheit kommt, desto deutlicher erkennt er, dass er sich auf ein Spiel mit unbekanntem Einsatz und ungewissem Ausgang eingelassen hat: das argentinische Roulette!

13:24
Die ersten Seiten habe ich gelesen, allerdings zu wenig um mir schon ein Urteil darüber zu bilden. Der Schreibstil gefällt mir jedoch ganz gut, was sicher vorteilhaft ist wenn es um ein Thema wie Finanzen geht. 

23:50
Okay, Feierabend.

Tagesfrage:
Der #wklm2015 geht heute Abend zu Ende. Was habt ihr für euch in dieser Woche mit genommen? Neue Autoren, Bücher, Blogger? Und was habt ihr für heute noch geplant? 
In dieser Woche habe ich...
... festgestellt, dass alte Bücher nicht zwangsläufig weniger aktuell sind
... dass ich Happy Ends doch lieber mag als ich bislang angenommen hatte
... mich gefragt ob ich für manche Bücher einfach zu dumm bin
... mich wieder mal gerne ins Lesen vertieft
 Natürlich habe ich auch ein paar neue Autoren/Bücher/Blogger für mich entdeckt und für heute plane ich, nach diesem Post ins Bett zu gehen :)

Zusammenfassung des wklm2015

gelesene Bücher: 6 (auch wenn das letzte nur angefangen ist...)
Jutta Profijt - Allein kann ja jeder
John Green / David Levithan - Will & Will
Heinrich Böll - Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Ina Vanderwijk - Nanuk-Im Zeichen des Bären
Eric-Emmanuel Schmitt - Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran 
Georg Schattney - Argentinisches Roulette

gelesene Seiten:  1129

Ich bin insgesamt sehr zufrieden und hoffe, beim nächsten Mal wieder dabei sein zu können. 

Samstag, 11. Juli 2015

Cornelia Pichler - Wenn der Wind sich dreht

http://editionkeiper.at/EDITION/leser_details.php?werke_ID=170
Genre: Roman
Verlag: edition keiper
Seiten: 384
Erscheinungsdatum: 09. April 2015
ISBN: 978-3-902901-69-9
Preis: 19,26 €

Ich habe dieses Buch für eine Leserunde bei lovelybooks.de gewonnen

über die Autorin:
Cornelia Pichler wurde in Kärnten (Österreich) geboren. Sie verbrachte nach dem Abitur ein Jahr in New York und studierte anschließend in Graz Englisch und Spanisch. Heute lebt Cornelia Pichler mit ihrem Mann und ihren zwei Töchtern in Graz. "Wenn der Wind sich dreht" ist ihr erster Roman.

Klappentext:

Ein trauriger Anlass führt Jo ohne ihren Mann Robert und ihre halbwüchsige Tochter Sam nach Griechenland, mitten hinein in das turbulente Leben ihrer griechischen Verwandten. Eine Art Auszeit also, gegen die Jo nichts einzuwenden hat, schon gar nicht, weil diese Auszeit mit liebevollen Menschen, Sommer, Sonne, Meer – und Marco – verbunden ist. Womit sie nicht gerechnet hat: Dass kurze Zeit später ihr Leben auf dem Kopf und ihre Ehe auf dem Spiel steht…

Meine Meinung:

Schon nach den ersten Seiten ist man in der Geschichte versunken und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen. Zusammen mit Jo reist man nach Griechenland und findet sich mitten in einer großen, gastfreundlichen, griechischen Familie wieder und trotz des traurigen Anlasses, der Jo dorthin geführt hat, ist von Trauer die meiste Zeit kaum etwas zu spüren. Man kann sich wunderbar in die Protagonistin hineinversetzen und mitfühlen, wie sie aufblüht und anfängt, das Leben zu genießen. Das Land, die Leute und nicht zuletzt ein Mann wecken Gefühle in ihr, von denen sie lange vergessen hatte, dass sie in ihr stecken.

In der Geschichte geht es aber nicht nur um Jos Geschichte, sondern ganz allgemein auch darum, wie man sich selbst sieht und dass es sowohl Menschen gibt, die einen selbst zu jemand anderem machen und solche, bei denen man gar nicht anders kann, als sein wahres Ich zu zeigen. Und darum, dass man dort zu Hause ist, wo das Herz sich zu Hause fühlt.

Doch selbst, wenn man sich einfach nur entspannt mit einem Buch den Tag verschönern möchte, ist dieses Buch eine empfehlenswerte Sommerlektüre - Urlaubsfeeling inklusive. Mehr als einmal habe ich mich in Gedanken am Strand stehen und entspannt aufs Meer blicken sehen während die Sonne warm auf mich hinunter scheint.

So richtig zu meckern habe ich nichts, außer vielleicht die Kleinigkeit, dass es für Jo zwar glücklich endet, aber es bei der Liebesgeschichte offen bleibt ob sie weitergeht oder nicht.

        

Wörterkatzes Lesemarathon 2015 - Tag 6

Es ist Samstag und der Lesemarathon ist schon fast vorbei - irgendwie schade, aber alles hat ja mal ein Ende.

17:45
Ich habe "Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran" beendet. 101 Seiten insgesamt. Wie ich das Buch finde ist schwer zu sagen, denn es gibt ein paar Dinge, die mich nachdenklich machen und gleichzeitig finde ich es doch sehr weit hergeholt und zum Teil unrealistisch. Deshalb werde ich mit der Rezi noch warten und das Buch erstmal sacken lassen.

20:08
Da ich zur Zeit noch unentschlossen bin, ob ich als nächstes ein Buch von meiner Leseliste nehme oder mir ein ganz anderes aussuche, komme ich nun erstmal zur...

Tagesfrage:
 Gestern gab es die Frage nach den Lieblingsprotagonisten. Heute geht es in eine etwas andere Richtung. Welches Setting hat euch bisher am besten gefallen?
Im ersten Moment wollte ich die Frage mit "gar keins" beantworten, doch wenn ich jetzt so darüber nachdenke, fand ich die Tatsache, dass sich die Hacker in "Mind Games" aus dem Nullraum eine eigene Welt erschaffen konnten sehr faszinierend, deshalb kann ich das zumindest mal als Teil-Setting angeben.

23:59
Ich habe mir spontan vorhin folgendes Buch gegriffen:

 Inhalt:

Tim ist 13 und lebt in Montreal. Eines Tages steht sein Großvater vor der Tür. Tausende von Kilometern hat er zurückgelegt, um seinen Enkel mitzunehmen in sein Inuit-Dorf am Ende der Welt. "Jemand muss dir die Jagdgründe zeigen, das Land, die Tiere und die Geister", sagt Großvater. Sie fliegen nach Norden und landen in einer Wüste aus Eis. Noch in derselben Nacht brechen sie auf zur Jagd. Tage vergehen; von Nanuk, dem Bären, keine Spur. Da geraten sie in einen Sturm. Pirtik, das große Nichts, ist ausgebrochen. 

Wir haben das Buch gerade in der Bücherei ausgemustert um Platz für neuen Lesestoff zu  machen und bevor es im Keller verschwindet, musste es nochmal mit zu mir nach Hause. Ich bin inzwischen etwa bei der Hälfte angekommen und bislang hat es mich noch nicht überzeugt.

Heinrich Böll - Die verlorene Ehre der Katharina Blum

http://www.dtv.de/buecher/die_verlorene_ehre_der_katharina_blum_1150.html

Genre: Erzählung
Verlag: dtv
Seiten: 160
Erscheinungsdatum: 01. Januar 1976
ISBN: 978-3-423-01150-1
Preis: 5,90 €

über den Autor:
Heinrich Böll (1917-1985), studierte Germanistik und klassische Philosophie und arbeitete ab 1951 als freier Schriftsteller. 1972 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Zu seinen bekanntesten Werken zählen "Ansichten eines Clowns" und "Gruppenbild mit Dame".


Inhalt (von der Verlagsseite):

 »Ähnlichkeiten mit den Praktiken der ›Bild‹-Zeitung ...] sind weder beabsichtigt noch zufällig, sondern unvermeidlich.« Aus dem Vorwort Bölls

Katharina Blum ist eine junge hübsche Haushälterin, die sich eine kleine Eigentumswohnung und einen Volkswagen leisten kann. Sie hat ein heiter-bescheidenes Wesen und wird, weil sie Zudringlichkeiten der Männer verabscheut, in ihrer Umgebung die »Nonne« genannt. Diese Frau verliebt sich spontan in einen jungen Mann, einen von der Polizei gesuchten radikalen Rechtsbrecher. Sie verhilft ihm zur Flucht und gerät in den Mittelpunkt der Sensationsmache einer großen Boulevardzeitung. Die Situation eskaliert, als der Journalist Werner Tötges in ihre Wohnung kommt ...


Meine Meinung

Obwohl die Erzählung von Heinrich Böll nun schon fast 40 Jahre alt ist, ist sie nach wie vor hoch aktuell. Auch heute noch ist die Berichterstattung in den Medien oft fragwürdig, vor allem in den sogenannten Boulevard-Blättern. Jedoch leistet die Sensationsgier der Menschen ebenfalls einen Beitrag zu dieser Art von Journalismus. Mal ehrlich: es ist doch praktisch, wenn zu einem Verbrechen sofort der passende Sündenbock mitgeliefert wird obwohl noch nichts Konkretes bekannt ist? Ein Asylbewerberheim brennt? Das waren die Rechten. Wer sonst? Wen interessiert schon, ob nicht vielleicht ein Kurzschluss dafür verantwortlich sein könnte.

Zugegeben, wenn ein Journalist heute so etwas wie Rufmord begeht, wird er dafür nicht gleich erschossen, aber es kann nicht ausgeschlossen werden, dass der Geschädigte in irgendeiner Form zur Selbstjustiz greift. Und wenn man mal genau darüber nachdenkt, muss es ja nicht gleich so eine große Sache sein. Selbst im privaten Umfeld wird durch Hörensagen doch oft aus einer Mücke ein Elefant. Da wird man mal von einem jungen Mann nach Hause gebracht und am nächsten Tag erzählt das ganze Dorf, dass man eine Affäre hat - das mag dem einen oder anderen lächerlich vorkommen, doch auch durch sowas wurden schon Familien zerstört.

An die - aus heutiger Sicht - altmodische Schreibweise muss man sich als Leser erstmal gewöhnen, aber dann findet man sich sehr gut im Text zurecht und es ist kein Problem, dem Inhalt zu folgen. Trotz des ernsten Themas kann an der einen oder anderen Stelle sogar geschmunzelt werden.

Ich würde dieses Buch als "zeitlos" beschreiben, da es wohl auch in der Zukunft aktuell bleiben wird. Es regt zum Nachdenken an und gehört für mich eindeutig auf die Liste der Bücher, die man mal gelesen haben sollte.

           

Freitag, 10. Juli 2015

Teri Terry - Mind Games

https://shop.coppenrath.de/produkt/66712/mind-games/
Genre: Jugendbuch, Dystopie
Verlag: Coppenrath
Seiten: 464
Erscheinungsdatum: 01. Juli 2015
ISBN:978-3-649-66712-4
Preis: 17,95 €
Altersempfehlung: ab 14

über die Autorin:
Teri Terry wurde in Frankreich geboren und lebte unter anderme in Kanada, Australien und England. Sie hat in vielen unterschiedlichen Berufen gearbeitet, sie hasst Brokkoli und liebt Katzen.

Ich habe ein Leseexemplar bei vorablesen.de gewonnen


Klappentext

Die Welt, in der du lebst, existiert nur in deinem Kopf - doch was, wenn jemand mit deinen Gedanken spielt?

In Lunas Leben ist jeder online, rund um die Uhr. Nur Luna verweigert sich dem System. Doch die mächtige Entwickler-Firma PareCo will sie mit allen Mitteln rekrutieren. Und als Luna sich schließlich einloggt, kann sie isch nicht mehr länger davor verstecken, wer sie wirklich ist.


Meine Meinung:

Es ist eine erschreckene Vorstellung, dass irgendwann alle in einer virtuellen Welt leben und vom "wahren Leben" kaum etwas mitbekommen. Wenn ich bedenke, wie oft und wie lange vor allem die jüngeren heute schon am PC hocken und online sind, bekommt dieses Buch einen größeren Bezug zur Realität, obwohl ich mir nicht vorstellen kann, dass wir tatsächlich irgendwann in so einer virtuellen Welt leben.

Eines Tages kann auch Luna sich der Welt in der die meisten Menschen leben, nicht mehr entziehen. Obwohl sie sich dem System verweigert wird sie von PareCo zu einem Einstufungstest eingeladen durch den sie ihre berufliche Bestimmung erfahren soll. Es verwundert einen nicht, dass alles bis aufs letzte Detail durchgeplant ist - wie sonst sollte man das System unter Kontrolle behalten?
Luna verliebt sich ein wenig in den Hacker Gecko, der sich alle Mühe gibt, durchzufallen, aber trotzdem auf der Bestenliste landet, was ihn zu der Annahme verleitet, dass dort nicht alles mit rechten Dingen zugeht. Obwohl Luna eine Verweigerin ist, kann sie sich zunächst nicht vorstellen, dass Gecko damit tatsächlich Recht hat. Man verfolgt als Leser ihren Weg, der sie immer tiefer ins System führt und merkt wie sie zunehmend verunsichert ist. Was ist real, was ist virtuell? Wem kann sie trauen?

In einer technisierten Welt kann viel manipuliert werden (und das wird es wahrscheinlich auch), wobei es auch ohne Technik immer schon Machtspielchen gegeben hat. In diesem Buch wird gezeigt wie leicht es ist, in einer virtuellen Welt zu versinken und dort glücklich zu sein - so lange man nichts in Frage stellt. Aber es wird ebenso gezeigt, wie gefährlich es sein kann, gegen den Strom zu schwimmen und die Dinge zu hinterfragen.

Was den Schreibstil betrifft, habe ich nichts zu meckern. Man fliegt förmlich durch die Zeilen und merkt am Ende gar nicht, wie schnell man diesen doch recht umfangreichen Wälzer hinter sich gebracht hat. Die Geschichte hat mir gut gefallen, wobei ich sie manchmal etwas langatmig fand und es mir an anderen Stellen ein wenig zu schnell voran ging. Am meisten überrascht (und vor allem gegruselt) hat mich die Stelle an der Luna entdeckt, wie die "Spezialaufgabe" aussieht, für die sich die besten Hacker qualifizieren. Außerdem fand ich Lunas Verhalten an manchen Stellen nicht besonders nachvollziehbar.

Im Großen und Ganzen hat mich dieses Buch jedoch begeistert und mir ein paar schöne Lesestunden beschert.